Autor

Dr. Notker Wolf (OSB), Abtprimas em.

Ehemaliger Abtprimas des Benedektinerordens mit Sitz in Rom und Großkanzler der Päpstlichen Hochschule S. Anselmo

Informationen zum Seminar »Spiritualität. Die geistige Dimension des Führens«

Mehr Informationen zu »Reife. Sei klug und weise!« im Lautracher Compass 05

FachartikelReife im benediktinischen Sinn – Anregungen für Führungskräfte

Die »Regel des Heiligen Benedikt« von Nursia besteht seit über 1500 Jahren und ist noch immer gültiges Regelwerk für das Leben der benediktinischen Mönche. Die Führungsrichtlinien können auch Führungskräften in der Wirtschaft lohnenswerte Orientierung geben – zur Besinnung auf ihre eigentlichen Führungsaufgaben und als Anregung, über das eigene Führungsverhalten nachzudenken, um dann einen Transfer für den Führungsalltag herzustellen

Benedikt von Nursia (480–547) rät dem Abt, »nicht stürmisch, aber auch nicht ängstlich, nicht maßlos, aber auch nicht engstirnig zu sein. Er sei nicht eifersüchtig und allzu argwöhnisch, sonst komme er nie zur Ruhe« (Reg. Ben. 64, 16). Das verlangt von der Führungsperson menschliche Reife und Souveränität, Besonnenheit und Klugheit. 

Das verlangt auch, gut zu organisieren und koordinieren, und immer das rechte Maß zu bewahren, sonst überfordere man seine Mitarbeiter. Der Abt richte alles so ein, »dass die Starken finden, wonach sie verlangen, und die Schwachen nicht davonlaufen« (Reg. Ben 64, 19). Benedikt würdigt jeden Einzelnen in seinem Charakter.

Er ist sich aber auch bewusst, dass eine Führungsperson nicht alles wissen und allein entscheiden kann. Er braucht die Anderen und bindetsie ein. »Tu alles mit Rat, dann brauchst Du hinterher nichts zu bereuen« (Reg. Ben. 3,13). Das verlangt ein Zurücknehmen der eigenen Person. Es geht nicht um die eigene Macht und das eigene Ansehen, sondern um das Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter. Den Anderen Identität schenken und nicht auf die eigene bedacht zu sein, das macht es aus. »Wenn der Meister regiert, ist sich das Volk kaum bewusst, dass es ihn gibt... Wenn sein Werk getan ist, sagt das Volk: »Unglaublich: Wir haben es ganz allein vollbracht,« sagte der chinesische Philosoph Laotse.

Führung und Eigenverantwortung, Führung und Eigeninitiative der Mitarbeiter ergänzen einander und führen zum Erfolg. Dann wird die (reife) Führungsperson »mehr geliebt als gefürchtet werden« (Reg. Ben. 64, 15) und Führung bereitet Freude, wenn sie in dieser Weise geschieht.

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