FachartikelMeine innere Einstellung – ein mächtiger Wirkungsfaktor in Rhetorik und Präsentation

»Rhetorik ist doch die Kunst, andere Menschen so geschickt über den Tisch zu ziehen, dass diese die dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme empfinden«. Solch eine Auffassung von Rhetorik findet sich so oder ähnlich in manchen Köpfen von Teilnehmern in meinen Seminaren zum Thema »Rhetorik und Präsentation«. Dahinter steckt vermutlich der Wunsch, seine Zuhörer zielgerichtet manipulieren zu können. Diese Definition widerspricht völlig der Urbedeutung des griechischen Wortes »Rhetorik« Redelehre - Redefähigkeit – Redekunst und damit dem bewussten Beherrschen der Regeln und Techniken in den verschiedenen Formen konkreter Sprachverwendung durch ein sprechendes Individuum.

Reden heißt, vielmehr sagen, was man meint. Und zwar so, dass die anderen zuhören, verstehen, glauben, annehmen und danach handeln. Der entscheidende Schlüssel für diese wirkungsvolle Kommunikation ist ein »Du-zentriertes« Sprechen. Die Konzentration ist ganz auf die Hörer gerichtet. Es wird ein Paradigmenwechsel vorgenommen, der sich weg von einer »Ego-zentrierten« hin zu einer »Altero-zentrierten« Haltung bewegt.

Wie können wir diese innere Einstellung konkret umsetzen? Die Antwort hier lautet: Vertrauen aufbauen ist das wichtigste Element – und das von Anfang an, noch vor Beginn des Vortrags. Schon nach einhundert Millisekunden hat sich der erste Eindruck gebildet und entscheidet über Sympathie und damit über Glaubwürdigkeit und Vertrauen zum Inhalt. Der Präsentator als Mensch steht im Mittelpunkt und nicht das Hilfsmittel Power Point. Ein Beamer kann keine Beziehung zu Menschen aufbauen.

Deshalb sucht ein guter Präsentator noch vor dem ersten gesprochenen Wort den inneren menschlichen Dialog zu seinem Publikum über den Blick- und Augenkontakt. Bevor die ersten Worte fallen, blickt der Redner die gesamte Zuhörerschaft an; der Blick geht dabei ruhig von einer äußeren Seite über die Mitte zu anderen Seite und nochmal zurück. Der erfahrene Redner sucht zudem zu einzelnen Menschen einen etwas längeren Augenkontakt (ca. 2 - 4 Sekunden) und augenblicklich entsteht etwas Positives – ein menschlicher Funke springt über. Über diesen persönlichen Augenkontakt bildet er interessanterweise eine gute Beziehung zum gesamten Auditorium. Erst dann beginnt der eigentliche Vortrag.

Eine Rede, die gut anfängt, erweckt Aufmerksamkeit. Der Anfang soll die Zuhörer zum Zuhören gewinnen, das heißt, ihre Ohren öffnen. Der Redeschluss soll auf dem Höhepunkt der Rede mit einem brillanten rhetorischen Salto enden. Das werden die Zuhörer mit einem Riesenapplaus belohnen. Um das zu erzielen, ist ein sicheres, freundliches und souveränes Auftreten die absolute Voraussetzung.

Wie erreichen Sie diese Professionalität? Auf der einen Seite durch ein profundes Wissen der verbalen und nonverbalen Wirkungsfaktoren. Mit dieser äußeren Sicherheit stellt sich eine innere Freiheit ein, mit der Sie Ihre Zuhörer überzeugen und begeistern können. Auf der anderen Seite durch Üben und ein konstruktives Feedback. Durch Lesen alleine hat noch kein Mensch Radfahren gelernt, durch Lesen alleine lernen auch Sie keine gute Rhetorik. Ohne die sichere Beherrschung dieser Grundlagen müssen wir dem tiefgründigen Menschenkenner und Schriftsteller Mark Twain Recht geben, der einmal zum Thema Rhetorik folgendes bemerkte: »Das Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert wunderbar vom Augenblick der Geburt an bis zu dem Augenblick, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten!« Durch ein professionelles, praxisorientiertes Training mit motivierendem Feedback überwinden Sie diese Blockaden, stärken Ihre persönliche Überzeugungskraft und bauen eine positive, persönliche Beziehung zu den Menschen auf. So wie der große Clown Grock. Er erzählt in seinen Memoiren, dass er vor jeder Vorstellung durch das Guckloch im Bühnenvorhang spähte und zu sich selbst sagte: »Mein liebes, liebes Publikum! Ich danke dir, dass du so zahlreich erschienen bist, um mich zu sehen! Ich will auch alles tun, um dich zu erfreuen!«

Was vermittelt uns diese Episode? Grock, einer der allerbesten seines Genres, liebte sein Publikum. Er hatte eine positive Einstellung zu den Menschen, die gekommen waren, um ihn zu sehen. Das ermöglichte ihm, seine Zuschauer wirklich zu begeistern. Die Menschen lachten mit ihm, sie weinten mit ihm, sie liebten ihn!