Interview mit Henrietta Schermall

Problemlöser - Wegbereiter der Zukunft

Frau Schermall, gute Problemlöser sind in Zeiten sich enorm wandelnder Umfelder sehr gefragt. Mit welchen Fähigkeiten und Soft Skills ist ein erfolgreicher Problemlöser bestenfalls ausgestattet?
Henrietta Schermall: Ein erfolgreicher Problemlöser geht unvoreingenommen und mit großer Offenheit und Neugierde an Dinge heran, ohne diese direkt in kognitiv festgelegte Schubladen einzuordnen. Dabei nimmt er Menschen und Situationen mit besonderer Achtsamkeit wahr und richtet seinen Fokus nicht primär auf seinen Verstand, sondern ebenso auf seine emotionale, intuitive und assoziative Wahrnehmung.
Durch die gute Verbindung, die er zu sich selbst hat, vertraut er seiner Intuition und seinem Bauchgefühl.

»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind«, sagte einst Albert Einstein. Welche Rolle spielt die eigene Haltung des Denkens, um dem Phänomen Problem entgegenzutreten?
Eine grundsätzlich neugierige und offene Haltung spielt eine entscheidende Rolle. Ein Denken gegen Regeln bringt oft ein Ausbrechen aus verfestigten Denkstrukturen mit sich, was zur Folge hat, dass z. B. bekannte Aspekte neu kombiniert werden oder in einen anderen, ungewöhnlichen Kontext gesetzt werden können. Kreative Problemlöser werden dann schon mal als »Spinner« oder als »ver-rückt« abgetan.

Welche Rahmenbedingungen unterstützen ein kreativitätsförderndes Umfeld in Unternehmen? Wie können Führungskräfte ihre Mitarbeiter hierfür sensibilisieren?
Eine kongruent gelebte Unternehmenskultur, in der Werte wie Vertrauen, Individualität, Offenheit, Authentizität und Heterogenität eine große Bedeutung haben, fördern Kreativität. Unternehmensstrukturen mit flachen Hierarchien, die einerseits Sicherheit geben und andererseits Flexibilität und Freiräume zulassen, stellen die beste Basis für einen konstanten Bottom up-Flow an Ideen dar. Bedeutsam ist außerdem
ein positiver Umgang mit Fehlern im Unternehmen. Der zwischenmenschliche Umgang stellt eine zentrale Kompetenz dar. Oft fehlen den Mitarbeitern die Kompetenzen für selbstorganisatorisches
Arbeiten. Dazu zählt insbesondere Konfliktfähigkeit, aber auch das Vertrauen in Kollegen. Demnach funktioniert Selbstorganisation umso besser, je mehr sich Vorgesetzte und Mitarbeiter gegenseitig vertrauen. Für Führungskräfte bedeutet das z. B. nicht jede Entscheidung selbst zu treffen, sondern sie Mitarbeitern zu überlassen, die näher an der Aufgabe dran sind. Die Führungskräfte sind entscheidend, dass eine entsprechende Kultur auch wirklich im Unternehmen gelebt wird. Sie können meist strukturell die Freiräume schaffen, die ihre Mitarbeiter zur Ideenfindung benötigen und sie sind die Role Models, an denen sich
die Mitarbeiter orientieren. So können sie ihren Mitarbeitern z. B. wertschätzendes Verhalten auf Augenhöhe vorleben und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung hin zu mehr Verantwortungsübernahme als Voraussetzung für Inspiration und Innovation unterstützen.

Gibt es eine universelle Vorgehensweise oder verschiedene kreative, analytische Methoden, um Probleme in Angriff zu nehmen? Welche Methoden zur Problemlösung vermitteln Sie in Ihrem Seminar  Problemlösungskreativität«?
Vor allem geht es primär erstmal um eine bestimmte grundsätzliche Haltung, die Problemlösungskreativität fördert. Diese wird unter anderem dadurch angeregt, dass Menschen sich von ihren vorgefassten Meinungen lösen und festgefahrene Kategorien verlassen. Ein neugieriger Blick aus der Meta-Perspektive bringt oft neue Sichtweisen und Ideen hervor, die es gilt erstmal anzunehmen und nicht durch interne
Urteile zu zerstören. Im Seminar beschäftigen  wir uns mit weiteren kreativitätsfördernden und -hemmenden Aspekten und mit Arten von Denkstilen. Die Teilnehmer lernen verschiedene Strategien und Techniken kennen, die den kreativen Problemlösungsprozess unterstützen und werden mit interessanten Ergebnissen aus der Hirnforschung bekannt gemacht. Befunde aus der Hirnforschung kamen z. B. zu dem Ergebnis,
dass Alpha-Wellen kreatives Problemlösen fördern. Alpha-Wellen produziert unser Gehirn im Zustand von entspannter Wachheit. Das rückt die Bedeutsamkeit von Life-Work Balance und einem entspannten Arbeiten noch mal in ein ganz anderes Licht.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schermall.

Das Interview führte Christina Kral-Voigt, Kundenberatung | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

 

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