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Von der Schönheit der Schöpfung
In farbenfrohen Bildern leuchtet die Stuttgarter Künstlerin Christa Winter das sinnliche wie spannungsreiche Spektrum zwischen Natur und Wissenschaft aus.
In ihren Kompositionen darf es alles geben: Den Himmel, die Erde, was dazwischen liegt und darüber hinausgeht. Christa Winter ist für die schöpferische Schönheit in einer Computerdarstellung von Eiweißmolekülen oder Nervenzellen ebenso empfänglich wie für die Morphologie von Galaxien oder die abwechslungsreiche Fauna der Tiefsee.
„Dass ich gerade in dieser Zeit lebe, in der wir dank der Forschung so hoch und so tief blicken können“, empfindet die in Stuttgart lebende Künstlerin als pures Glück. Die Vielgestaltigkeit unserer Welt feiert sie mit ihren Mitteln: Streng geometrische Strukturen begegnen einem spontan gemalten, aus dem Handgelenk verwirbeltem Farbfluss. Stilisiertes Blattwerk trifft auf mathematische Chiffren. Ein wilder „Splash“ ergießt sich über kantige Präzision.
Nach dem Kunststudium in Münster konzentriert sich die gebürtige Duisburgerin in den 80ern auf die Weiterführung der Malerei. In ihren ebenso experimentierfreudigen wie poetischen Werken nimmt sie lebhaft Anteil an den Innovationen auf dem Gebiet der Pigmente und Lacke, die in der Industrie zum Einsatz kommen. So sind ihre Arbeiten auch eine Reverenz an das weite Feld der Kunststoffe, die den Malern heute zur Verfügung stehen. Um Augen und Geist des Betrachters auf Entdeckungsreise mitzunehmen, bespielt Winter Front, Rückseite sowie die Rückwand ihrer Acrylglaskästen. In die Oberfläche mit kräftigen, deutlich sichtbaren Zeichen, treten aus dem Hintergrund diffuse, matt durchscheinende Schattierungen, die nicht mehr eindeutig zu fassen sind.
„Als Künstler des 21. Jahrhunderts vergisst man leicht“, erklärt Winter, „wie mühevoll früher die Rohsubstanzen gewonnen, gemahlen und verarbeitet wurden, um zum Beispiel schimmernde Oberflächen in feinsten Gradationen zu erreichen.“ Zu feinen Collagen mit Sprottenhüllen, Tulpenstaubgefäßen und Blütenblättern, zu Bildern, die mit organischem Fischsilber kosmische Wirbel beschwören, gesellt sich die „Floating Colour“-Werkgruppe, mit der die Künstlerin international bekannt wurde. Diese Hightech-Malerei mit Wechselfarbe durchschlängelt auch Winters „Dabonda“: Nur in der Abbildung bleibt die bilddominierende Welle blau. Vor dem Original wechselt der über viele Schichten gewonnene Farbfluss je nach Standort des Betrachters ins Violette, Braune, oder Goldgelbe - und verleiht so dem Schwebenden, dem Leuchtenden, dem Irrealen Ausdruck.
Text: Ruth Händler, in "Capital"
Im Rahmen ihrer Ausstellung „Cluster Babylon“ 2010 zeigte sie ihre neu entstandene Bilderserie in der Baden-Württembergischen Landesvertretung in Berlin. Die Serie der neuen Bilder folgt einem Collageprinzip. Das Ausgangsmaterial sind z.B. Abrundungen und Elemente aus den Bereichen der Naturwissenschaften, Mathematik, Architektur oder Design, entnommen den unterschiedlichsten Fachpublikationen, Magazinen oder dem Internet. Isoliert, bildnerisch komponiert und verschoben, verliert sie ihre Maßstäblichkeit und den räumlichen und teilweise auch inhaltlichen Bezug, es entsteht ein neuer Zusammenhang. Reprografisch auf Leinwand vergrößert, bilden diese Collagen die Vorzeichnungen für die Malerei. Die Kompositionen dieser komplexen Objektwelten lässt diese zwischen abstrakt und konkret changieren, die Anmutung von unbekannten schwebenden ´Architekturen` wird auf den zweien Blick kaleidoskopartig fragmentiert. In der neuen Bildern stellt sich ein, was Christa Winters Werk gänzlich durchzieht: die Option einer multilateralen Wahrnehmung, sei sie sinnlich, haptisch oder intellektuell.
Text: Christian Gögger
Werke von Christa Winter sind unter anderem zu sehen in der Sammlung Staatsgalerie Stuttgart; Kunstmuseum Stuttgart; Daimler Contemporary im Grand Hyatt Hotel Berlin; in der Sammlung Deutscher Sparkassenverlag Stuttgart und in der Sammlung Galerie der Jenoptik AG Jena.
Lebenslauf:
Ausstellungen:
LOTTE THUENKER